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"Campus
-zur Zukunft deutscher Hochschulräume im internationalen Vergleich"

Judith Elbe, Martin Wilhelm mit Julia Goldschmidt.
Harausgegeben vom ZIT Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung der TU Darmstadt.
108 Seiten, Paperback, 127 Abbildungen, die meisten davon farbig.
ISBN: 3-936294-05-4
Das Buch liegt in Architekturbuchhandlungen zum Verkauf auf und ist bestellbar beim Verlag Toeche-Mittler (Bestellung siehe unter Kontakte).



Ziel des vom Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung der TU Darmstadt herausgegebenen Buches ist es, die aktuelle Diskussion zur Zukunft deutscher Universitäten um den Aspekt der räumlichen Anlagen zu erweitern.

Zum Inhalt:
Die Studie "Der Campus" stellt zunächst die Frage, was unter dem Begriff Campus eigentlich verstanden werden kann, um dann den internationalen Vergleich und die Frage der Übertragbarkeit anzugehen. Dazu vergleicht eine städtebaulich und architektonisch vergleichende Analyse ausgewählte internationale Campusuniversitäten. Dem gegenüber steht die Auswertung qualitativer Interviews mit Heimkehrern, die an Campusuniversitäten im Ausland studiert haben.

Die Studie orientiert sich zunächst an einem Standard-Campusbegriff, der an die amerikanischen Anlagen angelehnt ist: Der Campus als autarkes Gebilde, das es für die Studierenden unnötig macht, ihn während der Semesterdauer zu verlassen, als Idealstadtentwurf und Microcosmos, der historisch wie strukturell häufig die ihn umgebenden Städte dominiert. Aktuell ist in verstärktem Maße sogar wieder eine Hinwendung zum College-System zu beobachten, also zur Schaffung enger Lebens- und Arbeitsgemeinschaften von Studierenden und Lernenden auf dem Campus in sogenannten Wohn-Colleges; das Zusammen-Wohnen und Sozialisieren wird hier für junge Studierende Teil des Curriuculums – ähnlich einem schulischen Internat.

Diesem Verständnis gegenüber stellt die Studie europäische Campus-Anlagen, also solche Universitäten, deren bauliche Strukturen zusammenhängend organisiert sind, und sich nicht über die Stadt verteilen. Es wird klar, dass alle europäischen Anlagen, selbst die in der Nachkriegs-Gründungswelle auf der Grünen Wiese errichteten, in enger Verzahnung mit der sie umgebenden Stadt organisiert sind, sich auf die Angebote dieser Stadt stützen können, nicht zuletzt den Namen der Stadt (mit-)führen.

In den Interviews wird klar, dass die amerikanischen Universitäten und ihre Anlagen besonders in Bezug auf ihre straffe und effiziente Organisation eindeutige Vorteile haben, die für Europa als Anregung stehen sollten. Die Auswerung stellt aber auch klar, dass eine Übernahme des amerikanischen Systems im Ganzen für europäische Verhältnisse unsinnig ist, dass hier die Stadt mit ihren Angeboten einen wesentlich höheren Stellenwert besitzt, und dass das internatsähnliche Leben besonders der jungen Studierenden in Europa weit weniger geschätzt wird, als die Freizügigkeit des Studentenlebens.

Im Ergebnis nimmt die Studie eine Neudefinition des Campusbegriffs vor, der sich weniger an dem Idealstadtmodell amerikanischer Vorbilder orientiert, sondern den Campus als Raum der Universität begreift, der sich im kulturellen, historischen, organisatorischen und baulichen Umfeld in Europa entsprechend unterschiedlich zu den USA darstellt. Wesentlich ist die Bereitstellung der für den Alltag von Studierenden und Universitätsmitarbeiter nötigen Infrastruktur auf dem Campus, und hier zeichnet sich ein gewisser Wandel mit der Internationalisierung und einem sich verändernden Studienalltag ab. Inwieweit sich hierfür Universität und Stadt ergänzen, kann allerdings sehr verschieden sein.

Als Ausblick ergibt sich, dass es für die deutschen Universitäten zwar nicht unbedingt notwendig, aber unter bestimmten Umständen sinnvoll sein kann, ihre bestehenden ausgelagerten Institute oder, wie in Frankfurt, die gesamte Anlage in engere räumliche Verbindung zu bringen, angesichts eines sich ändernder Studienalltags zumindest mit grundlegenden Infrastrukturen auszustatten, beispielsweise mit Wohnmöglichkeiten für Studierende, vor allem in Regionen mit Wohnungsnot sowie für Gaststudierende und –wissenschaftler. Unsinnig ist, den Campus in Richtung einer autarken Einheit zu organisieren, da zum einen die umgebenden Städte in Europa einen großen Teil des Studien-Gesamtraumes mitbestimmen, und da zum anderen die Forschungseinrichtungen in Deutschland sehr viel unabhängiger von den Hochschulen agieren und daher nicht unbedingt auf dem Campus untergebracht werden wollen. Entscheidend bleibt daher in Deutschland bei der Organisation als Universitäts-Campus dessen Nähe und gute Verbindungen in die Stadt sowie zu den Standorten der Forschung und Industrie.